Null Toleranz bei Altersdiskriminierung

Gleiche Rechte und volle Teilhabe in jedem Alter – wir fordern umfassenden Schutz vor Altersdiskriminierung, volle gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung.

Am 1. Oktober wird der Internationale Tag der älteren Menschen begangen. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag 1990 ins Leben gerufen, um auf die Rechte, die Lebenssituation und die gesellschaftliche Bedeutung älterer Menschen aufmerksam zu machen. Seniorinnen und Senioren leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft – im Ehrenamt, in Vereinen, in der Familie, bei der Kinderbetreuung und bei der Pflege. Sie übernehmen Verantwortung, bringen ihre Erfahrung ein und tragen wesentlich zum Zusammenhalt bei. Dennoch erleben ältere Menschen – trotz wichtiger Erfolge in den letzten Jahren, etwa in der Diskussion um verpflichtende Führerscheinüberprüfungen ab einem gewissen Alter oder des Diskriminierungsverbots bei Kreditvergaben – in vielen Lebensbereichen Benachteiligungen.

Alter darf kein Nachteil sein

Derzeit erfasst das österreichische Gleichbehandlungsgesetz den Schutz vor Altersdiskriminierung im Wesentlichen im Bereich der Arbeitswelt. „Wir fordern, diesen Schutz auf weitere Lebensbereiche sowie auf Güter und Dienstleistungen auszuweiten, um Benachteiligungen aufgrund des Alters zu verhindern“, so Seniorenbund Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer und Landesgeschäftsführer BR Mag. Franz Ebner. Gerade bei Bankgeschäften und Versicherungen zeige sich, wie wichtig gleiche Bedingungen für Menschen jeden Alters sind. Immer wieder wird etwa berichtet, dass Autoversicherungsprämien ab bestimmten Altersgrenzen steigen können. Davon können auch Menschen betroffen sein, die jahrzehntelang unfallfrei unterwegs waren und sich die günstigste Bonusstufe erarbeitet haben. „Wer älter wird, darf deshalb nicht mit höheren Kosten oder schlechteren Bedingungen konfrontiert werden, egal in welchem Bereich“, betonen die beiden. Darüber hinaus soll das Alter ausdrücklich als Diskriminierungsmerkmal in Art. 7 B-VG verankert und der gesetzliche Schutz entsprechend ausgeweitet werden.

Digitalisierung darf niemanden ausschließen

Nicht zu einer neuen Form der Altersdiskriminierung werden darf die Digitalisierung. Eine volle gesellschaftliche Teilhabe darf nicht von digitalen Fähigkeiten abhängen. Der OÖ Seniorenbund fordert daher: Zugang zu Behörden, Förderungen, Anträgen und Bankgeschäften auch ohne digitale Fähigkeiten durch persönliche Ansprechpartner, telefonische Möglichkeiten und Papierformulare. Durch die Nutzung analoger Angebote dürfen keine (finanziellen) Nachteile entstehen. Es braucht ausreichende Übergangs- und Umstellungsfristen bei der Digitalisierung und gleichzeitig niederschwellige Angebote zur Stärkung der digitalen Kompetenzen älterer Menschen. „Digitalisierung kann und soll das Leben erleichtern – aber niemand darf ausgeschlossen werden, weil er nicht digital unterwegs ist“, betonen Pühringer und Ebner.

Bargeld muss bleiben

Jeder Mensch soll selbst entscheiden können, wie er bezahlen möchte. Daher braucht es eine dauerhafte Absicherung von Bargeld als Zahlungsmöglichkeit sowie eine flächendeckende Versorgung mit Bankomaten und ausreichenden Bank- und Servicestellen. „Bargeld bedeutet für viele Seniorinnen und Senioren Freiheit, Selbstbestimmung und Sicherheit. Es muss auch in Zukunft ohne Probleme möglich sein, mit Bargeld am täglichen Leben teilzunehmen“, so Pühringer und Ebner.

„Wer zahlt, muss auch mitbestimmen dürfen“

Mehr Mitsprache und ein Stimmrecht fordert der OÖ Seniorenbund auch in der Österreichischen Gesundheitskasse. Denn die Seniorinnen und Senioren sind eine große Gruppe der Versicherten und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung, in den Gremien der ÖGK haben sie jedoch keine stimmberechtigten Vertreter. Gleichzeitig wurden für die Pensionistinnen und Pensionisten als einzige Personengruppe die Beiträge zur Krankenversicherung angehoben. „Wer zahlt, muss auch mitbestimmen dürfen und die Möglichkeit haben, seine Interessen in der Selbstverwaltung wirksam einzubringen“, fordern die beiden Seniorenvertreter.

„Älter zu werden, darf kein Grund sein, benachteiligt oder ausgeschlossen zu werden. Die Seniorinnen und Senioren wollen keine Sonderrechte – sie wollen gleiche Rechte, gleiche Chancen und volle Teilhabe“, so Pühringer und Ebner abschließend.

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