Seit 2018 führt der OÖ Seniorenbund mit dem IMAS-Institut jährlich eine repräsentative Umfrage über die Anliegen, Sorgen und Erwartungen der Generation 60+ in Oberösterreich durch. Die aktuelle Umfrage wurde von 6. Mai bis 2. Juni mit 412 Personen, die 60 Jahre oder älter sind, in Form von persönlichen Interviews durchgeführt.
Rückschlüsse und Forderungen des OÖ Seniorenbundes aus der Umfrage
Pflege: Angehörige entlasten, Wahlfreiheit stärken
- Ausbau und Leistbarkeit von Kurzzeitpflege und Tagesbetreuung: Derzeit sind Kurzzeitpflegeangebote für Bezieher kleinerer Einkommen oft nicht leistbar – insbesondere im Vergleich zu einem dauerhaften Heimplatz. Darüber hinaus sollen Angebote für eine stundenweise Betreuung zu Hause geschaffen und gefördert werden.
- Ausweitung des Angehörigenbonus: Aktuell ist der Bezieherkreis aufgrund der Anspruchsvoraussetzungen stark eingeschränkt. Daher braucht es eine Ausweitung von mind. Pflegestufe 4 auf Pflegestufe 3 sowie eine Erhöhung der Netto-Einkommensgrenze.
- Verbesserungen bei der 24-Stunden Betreuung: Eine Nicht-Leistbarkeit führt automatisch zu mehr Heimaufenthalten, der teuersten Pflege-Variante für die öffentliche Hand. Deshalb muss die Netto-Einkommensgrenze für die Förderung erhöht und jährlich valorisiert werden (seit 2007 bei € 2.500 – wäre sie jährlich an die Inflation angepasst worden, wäre sie bei rund € 4.000,- (Quelle: https://www.finanz.at/ratgeber/inflation/?calc=62684#Rechner)).
- Pflegegeldeinstufung innerhalb von drei Monaten, um für mehr Stabilität sowie Planungssicherheit zu sorgen. Zudem braucht es eine Reform des Antragssystems, damit die tatsächliche Pflegesituation realistisch erfasst wird.
- Freie Wahl des Alten- und Pflegeheims: Derzeit entscheiden die Bezirksgrenzen bzw. der jeweilige Sozialhilfeverband. Dabei ist es nachvollziehbar, wenn jemand in einem anderen Bezirk untergebracht werden möchte, etwa, weil Angehörige in der Nähe leben oder das Pflegeheim näher am Wohnort ist.
- Weitere Verstärkung der Personaloffensive
Sichere, wohnortnahe und gerechte Gesundheitsversorgung:
- Sicherstellung der wohnortnahen medizinischen Versorgung: Es braucht eine Attraktivierung des niedergelassenen Bereichs und bei der Nachbesetzung von Kassenstellen, den Ausbau von Primärversorgungszentren und Gruppenpraxen sowie die Abschaffung der Altersgrenze von 70 Jahren bei Kassenstellen für Ärzte, die weiterhin praktizieren möchten. Auch das System der Hausapotheken muss erhalten bleiben, da diese einen wichtigen Beitrag zur Versorgung leisten.
- Verkürzung der Wartezeiten für Seniorinnen und Senioren: Nachdem Pensionistinnen und Pensionisten mit den erhöhten Beitragszahlungen in die Krankenversicherung nun eine „Sonderbehandlung“ erfahren, müssen auch ihre besonderen Umstände – wie Alter oder eingeschränkte Mobilität – bei Terminvergaben entsprechend berücksichtigt werden. Zudem müssen sie denselben Anspruch auf Rehabilitation und Kuraufenthalte haben wie Berufstätige.
- Erhalt der gedruckten Beipackzettel, zur Gewährleistung der Sicherheit von Medikamenten für alle. Eine digitale Version kann nur eine Ergänzung sein. Darüber hinaus müssen Beipackzettel optisch verbessert, verständlicher formuliert und leichter lesbar gestaltet werden.
- Paradigmenwechsel zur Vorsorgemedizin: Präventionsmaßnahmen sind vergleichsweise kostengünstig und tragen langfristig zur Entlastung des Gesundheitssystems und zur Reduktion von Behandlungs- und Pflegekosten bei. In diesem Zusammenhang fordert der OÖ Seniorenbund seit langem ein Gesundheitspass mit allen wichtigen Daten und Untersuchungen.
Faire Diskussion über die Pensionen und engagierter Kampf gegen die Altersarmut
- Tatsächliches an das gesetzliche Pensionsantrittsalter heranführen: Es ist der logisch richtige Weg die Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters zu forcieren, anstelle gleich das gesetzliche hinaufzusetzen. Denn man kann einem 62- oder 63-Jährigen eher zumuten, länger zu arbeiten als einem 65-Jährigen. Auch die Teilpension ist hier ein richtiger Schritt.
- Erworbene Ansprüche der Personen in Pension müssen akzeptiert werden: Die Babyboomer sind heute nicht nur die vielen Empfänger der Pensionen, sie waren auch die letzten 40/45 Jahre diejenigen, deren Beiträge die Pensionen gesichert haben.
- Faire Pensionsanpassungen: Pensionsanpassungen müssen so erfolgen, dass auch die kleinen Pensionsbezieher von ihrer Pension leben können, der Altersarmut muss wirksam entgegengetreten werden.
- Faire Jobchancen ab 50: Der Arbeitsmarkt muss sich auf ältere Arbeitnehmer einstellen – es braucht, altersgerechte Arbeitsplätze, flexible Modelle und Wiedereinstiegshilfen für Männer und Frauen ab 50. Und es muss mehr Augenmerk auf Prävention gelegt werden.
- Seriöse Diskussion über die Pensionskosten: Bei einem genauen Blick wird deutlich, dass fast ein Viertel keine echten Pensionskosten sind, sondern auf Sozialleistungen, wie die Ausgleichszulage, Ersatzzeiten oder Gesundheitsleistungen entfällt. Die hohen Kosten für die Beamtenpensionen fallen an, weil der Bund während der aktiven Dienstzeit keine Arbeitgeberbeiträge zahlt.
- Wertschätzung für die Leistungen der älteren Generation für die Gesellschaft
Darüber hinaus muss das Bargeld abgesichert werden – es muss verpflichtend angenommen werden, Bankomaten und Filialen sollen erhalten bleiben. Ebenso muss jeglicher Art von Altersdiskriminierung entgegengewirkt werden.