Dringender Handlungsbedarf bei alternativen Wohnformen im Alter

Welche Rahmenbedingungen müssen gesetzt werden, um ein selbstständiges Wohnen im Alter zu ermöglichen?

„In keiner Lebensphase verbringt der Mensch so viel Zeit in der Wohnung, wie im Alter. Und nicht nur im Pflegefall oder im hohen Alter. Auch wenn heute die große Mehrzahl der Senioren agil und mobil ist, steigt mit der Pensionierung der Anteil der Zeit in den eigenen vier Wänden stark an. Allein schon durch den Wegfall der Zeit, die man im Betrieb verbrachte. Natürlich steigt der Anteil, den man in der Wohnung verbringt, im fortgeschrittenen Alter nochmals an. Wo Außenkontakte womöglich weniger werden, und die Beweglichkeit womöglich eingeschränkt ist. Wohnen ist nun einmal mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf, das gilt für alle Lebensphasen, aber natürlich ganz besonders für das Alter. Denn gerade im Alter kann eine gut funktionale Wohnung von besonderer Bedeutung sein.“, betont der Landesobmann des OÖ Seniorenbundes die Wichtigkeit der passenden Wohnsituation im Alter. „Was ist das große Ziel im Alter? Selbstständig, aber nicht alleine leben zu müssen!“, bringt Pühringer den Wunsch vieler Seniorinnen und Senioren auf den Punkt. 

Nachdem in den nächsten zwanzig Jahren die Generation 60+ von 370.000 Menschen in Oberösterreich auf 510.000 steigt und sich insbesondere die Zahl der Hochbetagten vervierfacht, wird das Thema „Wohnen im Alter“ enorm an Bedeutung gewinnen. Wohnformen, die auf eine mögliche Pflegebedürftigkeit oder andere Bedürfnisse eingehen können, werden zusehends gefragter. Damit das ohnehin belastete Pflegesystem nicht weiter überbeansprucht wird, muss auch hier mit neuen und innovativen Ideen für Abhilfe gesorgt werden. 

Das Thema Einsamkeit spielt auch im Wohnbau eine wichtige Rolle. Die Seniorinnen und Senioren wollen solange wie möglich ein selbstständiges Leben führen und sich regelmäßig mit anderen Menschen austauschen können. Bauprojekte, bei denen Gemeinschaftsräume vorgesehen sind, gehen auf diesen Wunsch der Seniorinnen und Senioren ein und helfen dabei, am sozialen Leben teilzuhaben.
Bauprojekte in zentraler Lage, mit einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie einer ärztlichen Nahversorgung in der unmittelbaren Umgebung werden ebenfalls mehr gefragt, da sie notwendige Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren abdecken.
„Um rechtzeitig diesen enormen Mehrbedarf an altersgerechten Wohnformen abdecken zu können, sind sowohl die Politik wie auch die Bauwirtschaft gefordert, gemeinsam bedarfsorientierte Projekte zu realisieren.“, stellt der Landesobmann des oberösterreichischen Hilfswerks LAbg. Dr. Wolfgang Hattsmannsdorfer klar. 

„Wir alle sind beim Thema „Wohnen im Alter“ stark gefordert. Die Interessensvertretung, weil sie klar die Wünsche auf den Tisch legen muss. Die Politik, weil sie Gesetze und Rahmenbedingungen schaffen muss wie beispielsweise bei der Änderung der Wohnbauförderung hinsichtlich der Errichtung von Gemeinschaftsräumen. Die Architektur, die Wohnungsgenossenschaften und das Bauwesen, weil Wohnen auch in der Konzeption und auch in der Architektur und Gestaltung neu gedacht werden muss. Die gesamte Gesellschaft, weil man das Thema alte Menschen, neu denken muss – sie sind Teil der Gemeinschaft und nicht nur ein Fürsorgefall.“, fordert Pühringer alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihren Teil für eine positive Entwicklung einzubringen.

 

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OÖ Seniorenbund präsentiert Fünf-Punkte-Wohnprogramm 

Der OÖ Seniorenbund mit Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer und Landesgeschäftsführer Mag. Franz Ebner legt in einem Fünf-Punkte-Wohnprogramm seine konkreten Forderungen dar. Diese werden den politischen Entscheidungsträgern vorgelegt mit der Anmerkung, sie ehestmöglich in den jeweiligen Gremien zu behandeln. 

Foto (v.l.n.r): DDr. Paul Eiselsberg, LAbg. Dr. Wolfgang Hattsmannsdorfer, LH a.D. Dr. Josef Pühringer, DI Dr. techn. Christiane Feuerstein, Dr. Christoph Etzlstorfer

1. Ortsnahe Lösungen schaffen 
Um in der Nähe des eigenen Heimatortes bleiben zu können und weiterhin Familie und Freunde in der unmittelbaren Umgebung zu haben, ist es notwendig, Wohnprojekte flächendeckend über das Bundesland verteilt, umzusetzen – sowohl in den ländlichen Gebieten wie auch im urbanen Bereich. 

2. Wohnen in Gemeinschaft ermöglichen
38 Prozent der über 60-Jährigen und zwei Drittel der Seniorinnen und Senioren über 80 Jahre leben alleine. Alternative Wohnformen wie generationsübergreifende Wohnprojekte, Betreubares Wohnen oder Senioren-Wohngemeinschaften bieten die ideale Möglichkeit um selbstständig, aber nicht alleine zu leben. Trotzdem nehmen in Österreich lediglich 12.000 Menschen solche Wohnformen in Anspruch. Deshalb fordert der OÖ Seniorenbund bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, zusätzliche Wohnbauförderungen und breitere Unterstützung solcher Projekte. 

3. Gemeinschaftsräume fördern
Es gibt bereits Pilotprojekte, die in Wohnbauten im Vorhinein Gemeinschaftsräume vorsehen. Dort können sich die Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig untereinander austauschen. Leider werden solche Gemeinschaftsräume aktuell noch nicht von der Wohnbauförderung begünstigt. Um den Bau solcher Räume zu attraktiveren, ist es notwendig, bei den finanziellen Zuschüssen diese Maßnahmen zu berücksichtigen. 

4. Seniorenwohnungen in Ortszentren
Ärztliche Nahversorgung, einen Supermarkt in unmittelbarer Umgebung sowie eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr sind vor allem für Seniorinnen und Senioren zwingend notwendig. Bedarfsorientierte Wohnbauprojekte für Seniorinnen und Senioren gehören deshalb nicht an den Ortsrand, sondern vielmehr in die Zentren. 

5. Möglichkeit der Antragsstellung bei behindertengerechtem Umbau im Nachhinein
Um finanzielle Unterstützung des Sozialministeriums bei behindertengerechtem Umbau zu erhalten, ist es notwendig, im Vorhinein einen Antrag mit Kostenvoranschlag und Einkommensnachweis zu übermitteln. Trotz der dringlichen Notwendigkeit ist deshalb eine rasche Realisierung der Bauvorhaben nicht möglich. Ähnlich wie bei allen anderen Unterstützungsfonds, soll es zukünftig möglich sein, diesen Antrag im Nachhinein stellen zu können. 

 

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