Pflegereform – Wir haben fünf nach zwölf

Stellungnahme des OÖ Seniorenbundes und Pflegeheimvertretern zur angekündigten Pflegereform!

„Die bereits mehrmals angekündigte Bundespflegereform lässt nach wie vor auf sich warten. Die Situation in der Pflege ist dramatisch und erfordert umgehendes Handeln. Trotz langer Wartelisten in Alten- und Pflegeheimen können derzeit mehr als tausend Betten nicht belegt werden, wovon 600 auf den Personalmangel zurückzuführen sind. Auch die pflegenden Angehörigen – die zentrale Säule der Pflege - müssen noch Entlastung erfahren, ansonsten wird es fast unmöglich, unser Pflegesystem aufrechtzuerhalten. Alles was aktuell möglich scheint, ist Schadensbegrenzung zu betreiben, schließlich ist es bei der Pflegereform fünf nach zwölf!“, verweisen Pühringer und Ebner auf den dringenden Handlungsbedarf im Pflegebereich und richten sich mit ihrem Appell insbesondere an Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. 

„Wir erwarten uns von Seiten der Bundespolitik, dass die Situation in der Pflege ernst genommen wird. Ähnlich der Landespolitik, die konkrete Maßnahmen nennt und diese auch umsetzt, muss auch das Gesundheitsministerium damit beginnen, in einem kurzen und kompakten Prozess eine ordentliche Reform auf den Weg zu bringen, statt lange ziellose Gesprächsrunden zu führen.“, sehen Pühringer und Ebner in der Landespolitik ein Vorbild für den Bund. Sich auf die aktuelle Corona-Pandemie auszureden, stößt beim OÖ Seniorenbund mittlerweile auf Unverständnis. „Schon 2017 haben wir konkrete Vorschläge eingebracht. Hätte man bereits vor vier Jahren die vom OÖ Seniorenbund geforderte Pflegelehre eingeführt, so hätte man heute bereits deutlich mehr ausgebildetes Pflegepersonal.“, so Pühringer und Ebner weiter. 

 

Keine Entschärfung in Sicht 

Die Situation in der Pflege wird sich in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen. Während laut Statistik Austria der Anteil der Generation 65+ bis 2030 von 19,2 auf 23,2% der Gesamtbevölkerung ansteigen wird, braucht es bis zum selben Jahr zusätzliche 100.000 Pflegekräfte, die die Betreuung von Pflegebedürftigen sicherstellen. Als besondere Herausforderung sieht der OÖ Seniorenbund den enormen Anstieg der Zahl der Hochbetagten. Bis 2050 werden 13,5 % der Gesamtbevölkerung 80 Jahre oder älter sein. 

 

Ohne Angehörige steht Pflegesystem vor dem Kollaps 

Rund eine Million Menschen in Österreich pflegen ihre Angehörigen. Damit können 80 Prozent aller pflegebedürftigen Österreicherinnen und Österreicher zuhause durch Familienmitglieder gepflegt werden. Jene, die diese Pflege leisten, benötigen finanzielle und vor allem strukturelle Unterstützung, um diese Form der Betreuung langfristig ausüben zu können. Dazu zählen neben einem flächendeckenden Angebot an leistbarer Kurzzeitpflege und Tageszentren auch die mobilen Dienste sowie medizinische und pflegerische Beratung. „Mit der Pflege ihrer Familienmitglieder erweisen die pflegenden Angehörigen einen großen Dienst – sowohl innerhalb der eigenen Familie als auch für die gesamte Gesellschaft. Ohne diese tatkräftige Unterstützung wäre unser Pflegesystem nicht aufrecht zu erhalten. Daher braucht es bei der Pflegereform eine klare Entlastung der pflegenden Angehörigen und die Anerkennung, die ihnen zusteht.“, hebt Pühringer die Leistungen der pflegenden Angehörigen hervor. 

 

Es geht ums Personal 

„Eine der größten Herausforderungen für ein gut funktionierendes Pflegesystem ist der zunehmende Fachkräftemangel. In der Altenarbeit arbeiten viele tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aus Überzeugung und Berufung für die Arbeit mit Menschen einen Pflegeberuf erlernt haben. Der zunehmende Personalmangel bringt immer noch mehr Arbeit, Verantwortung und Belastung für das Personal, es braucht dringend eine Entlastung.“, weisen der Obmann der ARGE Alten- und Pflegeheime OÖ Bernhard Hatheier sowie der Geschäftsführer der SoNe Soziales Netzwerk GmbH Martin König auf die prekäre Situation des Fachkräftemangels hin.
Bereits seit vielen Jahren ist diese Entwicklung absehbar. Damit sich wieder mehr Menschen für die Pflegeberufe interessieren braucht es dringend bereits seit Jahren geforderte Maßnahmen: 

  • Sofortige Umsetzung erster Maßnahmen (insbesondere betreffend Personal) im Rahmen einer Pflegereform 
  • Entlastung und Attraktivierung der Rahmenbedingungen für alle, die in der Pflege tätig sind. 
  • Ressourcen für zusätzliche Aufgaben (z.B. Begleitung von Auszubildenden, Hygienemaßnahmen)
  • Niederschwellige Ausbildungen 
  • Modulare Ausbildungen: Einstieg für Ungelernte zur Unterstützung des Pflegepersonals 
  • Attraktive Rahmenbedingungen für die MitarbeiterInnen (Dienstplansicherheit,…) 
  • Sicherstellung der Finanzierung des Lebensunterhaltes während der Ausbildung für alle Pflegeberufe für BerufsumsteigerInnen (Erfolgsmodell: Implacementstiftungen – bisher haben mehr als 7.000 MitarbeiterInnen erfolgreich eine Ausbildung abgeschlossen; Es braucht Ausbildungsbonus/-stipendien) 
  • Schließung der Lücke nach der Pflichtschule: Pflegeausbildung direkt nach Pflichtschulabschluss 
  • Imagekampagne zur Stärkung des Berufsbildes 

 

Forderungen des OÖ Seniorenbundes bei der Umsetzung der Pflegereform 

Von Seiten des OÖ Seniorenbundes stehen folgende Forderungen im Vordergrund. Dabei handelt es sich um Maßnahmen, die keine lange Debatte mehr erfordern, sondern umgehend umgesetzt werden können: 

  1. Bessere Unterstützung von pflegenden Angehörigen 
  2. Aufwertung des Pflegeberufs (Image, sozialer Status) 
  3. Bessere Rahmenbedingungen und attraktivere Entlohnung für Pflegekräfte 
  4. Attraktivierung des Pflegeberufs für Umsteiger und Wiedereinsteiger 
  5. Einführung der Pflegelehre (Pflege als Lehrberuf) 
  6. Durchforstung des Gesundheitsberufe-Registers des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nach derzeit nicht im Beruf stehenden Pflegekräften und ansprechende Angebote, diese in den Pflegeberuf zurück zu holen. 
  7. Bessere personelle Ausstattung der mobilen Pflege 
  8. Neueinstufung der Demenz bei der Feststellung der Pflegestufe 
  9. Leistbare Finanzierung der 24 Stunden-Pflege und Maßnahmen zur Qualitätssicherung 
  10. Ausbau von Tagesbetreuungseinrichtungen und leistbaren Kurzzeitpflege-Angeboten 
  11. Freiwillige Rückholung von pensionierte Pflegekräfte (zeitlich befristet) 

 

>>> Hier geht's zur Presseunterlage

v.l.: Geschäftsführer der SoNe Soziales Netzwerk GmbH Martin König MBA, OÖ Seniorenbund Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer, Obmann ARGE Alten- und Pflegeheime OÖ Bernhard Hatheier, OÖ Seniorenbund Landesgeschäftsführer Mag. Franz Ebner (Bildquelle: OÖ Seniorenbund)



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