Wir müssen Anreize für die Gesundheitsvorsorge schaffen

Konkrete Maßnahmen des OÖ Seniorenbundes, die zur Attraktivierung von gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen beitragen.

Die Bekämpfung der Corona Pandemie hat in den vergangenen Monaten alle anderen Themen im Gesundheitsbereich in den Hintergrund gestellt. Sowohl in den politischen Gremien wie auch für die Bürgerinnen und Bürger ist das Virus jenes Thema, dem die meiste Aufmerksamkeit geschenkt wird – selbst andere wichtige Gesundheitsthemen stehen im Schatten von COVID-19. Die Zahl an Kontroll-und Vorsorgeuntersuchungen spiegelt diese Annahme wieder. Im Jahr 2020 gab es bei den Gesundheitsuntersuchungen einen Rückgang von elf Prozent. 95.000 Versicherte weniger als im Jahr 2019 nutzten das Angebot, sich einem Gesundheitscheck zu unterziehen. Auch die Zahl an Krebs- Früherkennungsuntersuchungen wie Mammographien (Brustkrebs) und Koloskopien (Darmkrebs) gingen um 13 Prozent zurück. Damit werden viele Krankheitsbilder wie Krebs, Herzkreislaufprobleme oder Bluthochdruck, die bei rechtzeitiger Erkennung gut behandelt werden können, nicht entdeckt. Mit präventiven Maßnahmen können nicht nur schwere Krankheiten und Folgeerscheinungen vermieden werden, sondern auch hohe Behandlungskosten.

Neuer Blick auf Prävention
„In der Gesundheitspolitik ist ein Paradigmenwechsel dringend notwendig. Die stiefmütterliche Behandlung der Prävention muss ein Ende haben!“, stellt der OÖ Seniorenbund mit Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer und Landesgeschäftsführer Mag. Franz Ebner seine Sicht der Dinge klar. „Anhand der demografischen Entwicklung wird sichtbar, dass die Menschen in unserem Land immer älter werden. Damit sie aber auch gesund älter werden, muss der Gesundheitsvorsorge mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.“ 

„Mit geringerem Aufwand, größere Wirkung erzielen!“ 
„Im Jahr 2019, also noch vor der Pandemie, haben nur rund 1,1 Millionen der über 18-jährigen Österreicherinnen und Österreicher das Angebot einer kostenlosen Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen und damit einen wichtigen Beitrag für die eigene Gesundheit geleistet. In den letzten dreißig Jahren hat sich diese Zahl zwar verdreifacht, dennoch lassen 6,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger diese Chance ungenutzt.“, verweist Ebner auf die anteilsmäßig geringe Inanspruchnahme der kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen.
Krankenkassen müssten größeres Interesse daran haben, präventive Angebote anzubieten, weil sich diese Vorsorgemaßnahmen langfristig positiv auf die Gesundheit der Versicherten auswirken würden. Hinsichtlich der angekündigten Pflegereform müsse dieser Aspekt mitbedacht werden. „Pflege und Gesundheit dürfen in der Finanzierungsfrage nicht als separate Angelegenheiten gesehen werden. Experten gehen davon aus, dass bis 2050 die öffentlichen Ausgaben für die Pflege von aktuell 4,75 auf 13,9 Milliarden Euro steigen könnten. Nur ein geringer Bruchteil davon in der Vorsorge würde einen derartig starken Anstieg in der Pflege verhindern. Deshalb ist sowohl in wirtschaftlicher wie auch gesundheitlicher Hinsicht eine Kopplung der beiden Bereiche wünschenswert.“, hebt Pühringer die Vorteile der Finanzierung von Gesundheit und Pflege aus einer Hand hervor. 

Mehr Geld für Vorsorge statt für Nachsorge 
Laut einem Bericht des Sozialministeriums werden jährlich 2,441 Milliarden Euro für Gesundheitsförderung und Prävention ausgegeben. 70 Prozent davon werden für tertiäre Prävention, also für Maßnahmen die nach einer Erkrankung Folgeerkrankungen verhindern sollen, verwendet. 13,2 Prozent fließen in die sekundäre Prävention, deren Maßnahmen bei einem frühen Stadium einer Erkrankung eingesetzt werden. Die übrigen 16,9 Prozent der finanziellen Mittel zur Gesundheitsförderung sind den Bereichen der primären Prävention, der Gesundheitsförderung und dem Aufbau der Strukturen zuzuordnen. Aktionen zur Änderung der Lebensgewohnheiten (z. B. Rauchen, Essgewohnheiten und Zahnpflege) sowie zur Bewusstseinsbildung (Gesunde Gemeinde, Gesunde Schule, etc.) werden aus diesem Anteil finanziert. Im Vergleich mit den anderen Gesundheitsmaßnahmen, die von der öffentlichen Hand bezahlt werden, ist der Anteil für primäre Prävention deutlich zu niedrig.
„Die Prävention und Gesundheitsvorsorge zu forcieren wäre sowohl für die Betroffenen wie auch den Staat ein nachhaltiges Sparprogramm und verhilft den Menschen in unserem Land zu mehr Jahren in Gesundheit und somit die Pflegebedürftigkeit nach hinten zu verschieben.“, fordern Pühringer und Ebner dazu auf, der Vorsorge mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 

 

Konkrete Vorschläge zur Attraktivierung der Gesundheitsvorsorge 

Die Spitze der Seniorenorganisation ist sich einig, dass nur durch die Attraktivierung des bestehenden Angebotes, mehr Personen die Maßnahmen zur Gesundheitsprävention wahrnehmen. Folgende Vorschläge legt der OÖ Seniorenbund vor:

„Pickerl“ für den Körper ab 40: Ähnlich der jährlichen Überprüfung des PKWs kann sich der OÖ Seniorenbund eine alljährliche und verpflichtende ärztliche Untersuchung für Personen ab 40 Jahren vorstellen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Bildung von Krebsgeschwüren – die beiden häufigsten Todesursachen in Österreich im Jahr 2019 mit 32.000 beziehungsweise 20.000 Toten. Bei rechtzeitiger Erkennung können diese Krankheitsbilder gut behandelt werden. Aus Solidarität der Gesellschaft gegenüber – die im Krankheitsfall durch die steuerlichen Abgaben für die Behandlung der Betroffenen indirekt aufkommt – wäre das ein erster möglicher Schritt, um der Prävention eine höhere Bedeutung beizumessen. Die Kosten für regelmäßige Untersuchungen beim Hausarzt der 4,8 Millionen über 40-Jährigen in unserem Land, haben zwar seinen Preis, ermöglichen den Menschen aber ein direktes Feedback mit klaren Hinweisen, in welcher Art und Weise der Lebensstil zu verändern wäre und welche Aufgaben umzusetzen sind. Dadurch können noch höhere Ausgaben für teure Behandlungen vermieden werden. 

Wertgutscheine infolge einer Untersuchung: Einen Ansatz, Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen auf freiwilliger Basis ansprechender zu gestalten, sieht die Seniorenorganisation darin, den Versicherten im Zuge der Gesundenuntersuchung einen Gutschein im Wert von 50€ für ausgewählte regionale Hofmärkte oder Sportgeschäfte zu überreichen. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung – die durch die Wertgutscheine begünstigt werden - fördern den Gesundheitszustand in seiner Gesamtheit und stärken das Immunsystem. Verbunden mit einer regelmäßigen Untersuchung können mögliche Risikofaktoren erkannt und infolgedessen minimiert werden. 

Schaffung eines einjährigen Gesundheitsprogrammes: Neben der Steigerung der Teilnahme an Gesundheitsuntersuchungen sieht der OÖ Seniorenbund in der Schaffung eines einjährigen Gesundheitsprogrammes ein weiteres Instrument zur Vorsorge. Versicherte, die entsprechende Risikofaktoren aufweisen, durchlaufen ein Jahr lang unter ärztlicher Betreuung ein Gesundheitsprogramm, dass das Ziel hat, die Lebensweise gesünder zu gestalten. Schwerpunkte werden dabei auf gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung sowie dem Beenden von gesundheitsschädlichen Gewohnheiten wie Rauchen und dem übermäßigen Konsum von Alkohol gelegt. Werden die gesetzten Ziele nach einem Jahr erreicht, reduziert sich - bei Krankenkassen, die einen solchen haben - der Selbstbehalt oder man erhält einen Beitragsbonus. 

Bildquelle: SewCream/Shutterstock.com



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